HCH:Bitte um Unterstützung eines neuen Gesundheitsprojektes in Cuba

Wir haben ein neues Gesundheitsprojekt in Cuba und bitten um Eure Unterstützung !
Humanitäre Cuba Hilfe Bochum (HCH)

Dieses Projekt wird in Deutschland professionell von Prof. Dr. Thielmann, dem letzten Gesundheitsminister der DDR, KarEn e.V. aus Berlin und der HCH unterstützt. Wir werden uns schwerpunktmäßig und traditionell um den medizinischen Teil kümmern und zunächst ein transportables PC-fähiges EKG- und ein CTG- Gerät (Kontrolle der Wehen und der kindlichen Herztöne) finanzieren, ferner 20 Blutdruckmessgeräte, 20 Stethoskope, 10 geburtshilfliche Stethoskope, 1 Ophthalmoskop, BZ-Messgeräte mit ca. 1000 Teststreifen u.a.m.  Der Transport nach Cuba ist gesichert.

 

Wir bitten Euch um Spenden für dieses neue Projekt:

Spendenkonto der HCH

bei der Sparkasse Dortmund   

KoNr 91016036     BLZ 44050199

Stichwort Belén/Dissfa

Auch kleine Beträge sind willkommen.

Bei Spendenbeträgen unter 100 € gilt der Überweisungsträger als Spendenbeleg für das Finanzamt. Bei Summen darüber erhaltet Ihr kurzfristig eine Spendenquittung. Bitte Eure Adresse nicht vergessen! Sonst funktioniert das nicht.

 

Hintergrundinformationen 2013

Cuba hat ein gut strukturiertes aber schlecht ausgerüstetes und dennoch erstaunlich leistungsfähiges Gesundheitswesen. Mit 10% der Gesundheitsausgaben im Vergleich zu Deutschland, 4% verglichen mit den USA, unterscheidet sich die mittlere Lebenserwartung in Cuba nicht von der in den USA, die Säuglingssterblichkeit ist wesentlich niedriger. Die gute Effizienz der cubanischen Gesundheitsversorgung beruht auf einer prophylaktischen Orientierung des gesamten Systems und umfassender familienärztlicher Betreuung. FamilienärztInnen versorgen je 15 bis 20 Familien oder 1.200 bis 1.500 Personen. Die Betreuung schliesst die gesamte Familie ein, auch die Gesunden. Diese werden jährlich einmal zu einer Vorsorgeuntersuchung und Gesundheitsberatung eingeladen.

 

Seit einiger Zeit ändert sich die Morbiditätslage. Unter dem Einfluss ‘westlicher’ Lebensgewohnheiten steigt das Erkrankungsrisiko für chronische nicht-übertragbare Krankheiten. Diese verursachen weltweit mehr als 60%, in den Industrieländern mehr als 80% aller vorzeitigen Todesfälle. Das cubanische Gesundheitswesen geht mit bevölkerungswirksamen Massnahmen gegen Fehlernährung, Bewegungsmangel, Tabak- und Alkoholmissbrauch vor. Dennoch nehmen Übergewicht und Bluthochdruck weiter zu, begleitet von wachsendem Erkrankungsrisiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, Diabetes und andere verhaltens- und verhältnisbedingte chronische Krankheiten. Ein Pilotprojekt im historischen Zentrum der Altstadt von Havanna hat im Jahr 2010 mit einer stärker personalisierten Gesundheitsberatung begonnen und damit eine signifikante Reduzierungen von Risikofaktoren für die Entstehung chronischer nicht-übertragbarer Krankheiten erreichen können.

 

Die in diesem Projekt gesammelten Erfahrungen sollen auf drei Bevölkerungsgruppen ausgedehnt werden:

 

  1. schwangere Frauen und Mütter mit Kindern bis zu einem Jahr, um der Entstehung chronischer nicht-übertragbarer Krankheiten durch Förderung gesunder Lebensweise und gesundheitsfördernder Lebensverhältnisse frühestmöglich vorzubeugen;
  2. Personen in fortgeschrittenem Alter, von denen viele bereits unter chronischen nicht-übertragbaren Krankheiten leiden, um deren Fortschreiten durch angepasste Lebensweise und Lebensverhältnisse zu minimieren;
  3. die gesamte Klientel einer grossen Poliklinik im Kern der Altstadt, um die Praxistauglichkeit personalisierter Gesundheitsberatungen in der familienmedizinischen Versorgung der Bevölkerung zu optimieren.

 

Die Fortführung, Erweiterung und Perfektionierung des Vorhabens bedarf eines Minimums an qualitativ einwandfreier medizinischer Ausrüstung sowie von Informationstechnologie zur Dokumentierung und Auswertung der Gesundheitsberatungen, Beobachtungen und Messdaten. Neben Ausrüstung für die Geburtshilfe, die Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen werden insbesondere zuverlässige Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte gebraucht, für die Datenerhebung Netbooks oder Tablet-PCs, Modems und USB-Datenspeicher.

 

Für die Erweiterung des Projekts, an dem bisher zehn Familienärztinnen und 1.500 Bewohner der Altstadt von Havanna beteiligt sind, um weitere zwanzig FamilienärztInnen und 3.000 BürgerInnen, besteht ein Finanzierungsbedarf in Höhe von EUR 12.000. Die Mittel werden ausschliesslich für medizinische Ausrüstung und Informationstechnik benötigt. Keinem der beteiligten Personen werden Arbeitsaufwand oder Auslagen vergütet. Koordiniert wird das erweiterte Programm vom Betreuungszentrum für ältere BürgerInnen ‘Belén’ in der Altstadt von Havanna. Eine Information über Belén ist dieser Bitte um Unterstützung beigefügt. Die Ausrüstung für das gesamte Programm wird Belén übergeben.

Die Nutzung erfolgt in der Poliklinik ‘Dr. Tomás Romay’, im Geburtshilflichen Zentrum ‘Doña Leonor Pérez Cabrera’, dem Geriatrischen Zentrum ‘Dr. Ramón y Cajal’ und in Belén selbst.

 

K. Thielmann / Juni 2012

Kurzinformation zum Projekt

 

Individuelle und Soziale Gesundheitsdeterminanten in der familienärztlichen Praxis

‘Determinantes Individuales y Sociales de la Salud en la Medicina Familiar’

– DISSFA –

Thesen

1. Neben ihren kurativen Verpflichtungen steht die Medizin gegenwärtig vor zwei strategischen Aufgaben: (a) Verweigerung jeden Vorschubs kommerziellen Missbrauchs der Profession, (b) Senkung des Erkrankungsrisikos für chronische nicht-übertragbare Krankheiten. Die Beschränkung medizinischer Betreuung und wissenschaftlichen Fortschritts auf Diagnostik, Therapie, Pflege und Rehabilitation in fataler Verknüpfung mit kommerziellen Interessen überfordert die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Gleichbehandlung. Die aber ist eine Maxime der Medizin, Merkmal demokratischer Ordnung und ein Grundrecht.

2. Senkung des Erkrankungsrisikos setzt personalisierte Auseinandersetzung mit individuellen und sozialen Gesundheitsdeterminanten voraus. Massnahmen auf Bevölkerungsebene sind unverzichtbar, doch nicht ausreichend.

3. Das geeignete Instrument für personalisierte Massnahmen zur Reduzierung des Erkrankungsrisikos durch Gesundheitsförderung und Prävention ist eine weit in den sozialen Bereich hinein wirkende Integrative Allgemeinmedizin, deren Aufgaben Verhaltensprävention und Engagement für Verhältnisprävention einschliessen.

 

Fragestellung des Projekts: Ist im Rahmen integrativer allgemeinmedizinischer Versorgung (a) personalisierte salutogenetische Betreuung sinnvoll und praktikabel, (b) ist Einflussnahme auf Verhältnisprävention möglich, (c) rechtfertigt der Nutzen den Aufwand?

 

Ort und Akteure: Untersuchungen zur Beantwortung dieser Fragen werden gegenwärtig von zehn FamilienärztInnen der Poliklinik ‘Dr. Tomás Romay’ im historischen Stadtzentrum von Havanna/Cuba durchgeführt.

 

‘Familienärzte’: Das cubanische Gesundheitssystem stützt sich auf eine breite familienärztliche Basis. FamilienärztInnen sind vorwiegend ‘FachärztInnen’ für ‘Allgemeine Integrative Medizin’ (AIM). Die Ausbildung zum Facharzt für AIM dauert drei Jahre und schliesst obligat an das Medizinstudium an. Jede andere, ‘vertikale’ Facharztweiterbildung setzt den Facharzt für AIM voraus. Das sichert allen Fachrichtungen ein gemeinsames holistisches Konzept. Fachärzte für AIM geniessen hohes Ansehen, viele von ihnen auch in Führungspositionen. Ausser Fachärzten für AIM sind allgemeine Internisten familienärztlich tätig. Familienärzte praktizieren in Polikliniken, Ambulatorien und diesen zugehörigen Praxen im Wohngebiet. Sie versorgen jeweils etwa 120 Familien, ca. 1.200 Personen, darunter (1) Gesunde, (2) Personen mit einem Gesundheitsrisiko, (3) Patienten, (4) Personen mit dauerhafter gesundheitlicher Behinderung. Für jede dieser Gruppe gibt es spezifische Betreuungsprogramme.

 

Zeitrahmen des Projekts: 2010 wurden das Protokoll der Studie erarbeitet, die Ärzte auf die Untersuchungen vorbereitet und Voruntersuchungen durchgeführt. Die planmässigen Untersuchungen begannen Anfang 2011 und sollen Anfang 2013 abgeschlossen werden. Im Frühjahr 2012 erfolgte eine Zwischenauswertung.

 

Finanzierung: Technische Hilfsmittel (12 Netbooks Lenovo 12“, Datenträger, USB-Modems, Drucker/Kopierer u.a.m.) wurden von der Berliner Tagesklinik ‘Esplanade’ sowie von privaten Spendern aus Deutschland und Grossbritannien finanziert, Reisekosten vom Initiator der Studie getragen, die Unterbringung in Havanna vom Büro des Stadthistorikers übernommen. Keinem Teilnehmer an der Studie wird Arbeitsleistung vergütet.

 

Konzeptionelle Zusammenarbeit, Unterstützung, Überwachung: Die Untersuchungen wurden mit dem Stadthistoriker von Havanna und Leiter der Restaurierung der Altstadt, Dr. Eusebio Leal Spengler, im Rahmen der Gestaltung des historischen Stadtkerns als Modell eines modernen kommunalen Lebensraums konzipiert. Sie werden vom Initiator der Studie und dem Stadthistoriker gemeinsam überwacht. Das Büro des Stadthistorikers leistet vor Ort unverzichtbare logistische Unterstützung.

 

Studiendesign: Die Studienteilnehmer wurden nach Erläuterung von Aufgabenstellung und Studienablauf durch die beteiligten Familienärzte aus der Gruppe der von diesen betreuten gesunden Personen auf freiwilliger Basis rekrutiert. Jede Familienärztin warb 150 Personen. Die insgesamt 1.500 Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in eine Untersuchungs- und eine Kontrollgruppe von je 750 Personen aufgeteilt. Alle unterzeichneten eine Einverständniserklärung zur Teilnahme, in der auch die Möglichkeit problemlosen Ausscheidens aus der Studie zu jedem Zeitpunkt garantiert wird. Die Teilnehmer wurden einer klinischen Anfangsuntersuchung und anamnestischer Befragung unterzogen. Die Mitglieder der Untersuchungsgruppe nehmen in Abständen von drei Monate an salutogenetischen Konsultationen teil, die Mitglieder der Kontrollgruppe nicht. Nach Ablauf eines Jahres wurden alle Teilnehmer erneut klinisch untersucht. Gleiches ist für den Abschluss der Studie im Februar 2013 vorgesehen. Die salutogenetischen Konsultationen werden im zweiten Jahr unverändert fortgesetzt.

 

Salutogenetische Konsultationen: Das Studienprotokoll enthält einen Fragespiegel zur Orientierung personalisierter Gespräche über die individuellen und sozialen Gesundeitsdeterminanten. Erfasst werden Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität, Schlaf, psychisches Gleichgewicht, soziale Aktivitäten, kulturelle Aktivitäten, familiärer Zusammenhalt, sozialer Zusammenhalt, technischer und sanitär-hygienischer Zustand der Wohnung. Toxische Gewohnheiten, Rauchen, Alkoholmissbrauch und sonstiger Drogenkonsum werden in der Anamnese erfasst. Der Fragespiegel gibt eine allgemeine Orientierung für die Gesprächsführung. Die ÄrztInnen sind angewiesen, umsichtig und einfühlsam auf die individuelle Situation jedes einzelnen Gesprächspartners einzugehen, sehr personenbezogen zu kommunizieren, weder mit Abschreckung zu argumentieren, noch Krankheitsängste oder Gesundheitshysterie zu schüren. Die Konsultationen sollen praktische Hinweise zur Integration positiven Gesundheitsverhaltens in die persönliche Lebensführung vermitteln, die Entwicklung einer Kultur des täglichen Lebens fördern und Unterstützung in Fragen der Verhältnisprävention geben. Von vordergründiger Fixierung auf Krankheitsgefahren wird dringend abgeraten.

 

Datenerfassung: Die Informationen werden mit mobiler Informationstechnologie erfasst (Netbooks Lenovo, 12”). Digitalisierung des Fragespiegel zur Gesprächsführung erlaubt eine technisch mühelose Datenerfassung, die die Kommunikation nicht beeinträchtigt. Ausser Gesundheitsdeterminanten und Gesundheitsdaten werden augenfällige Wirksamkeit, Indifferenz oder Zurückweisung der ärztlichen Empfehlungen, Wirksamkeit auf längere Sicht und Zeitaufwand für die einzelnen Konsultationen registriert.

Charakterisierung der Studienteilnehmer:

Studiengruppen = 743 Kontrollgruppen = 753
Altersbereich (Jahre)

15 – 87

15 – 88

Durchschnittsalter (Jahre)

40 ± 13

39 ± 13

Körpergrösse (cm)

165,9 ± 9,2

166,0 ± 9,2

Gewicht (kg)

66,0 ± 12,4

66,2 ± 12,6

BMI (kg/m²)

23,6 ± 3,5

23,7 ± 3,8

weiblich

447 / 60,2%

429 / 57,0%

männlich

296 / 39,8%

324 / 43,0%

Raucher/innen

252 / 33,9%

260 / 34,5%

Alkoholverzehr

56 / 7,5%

57 / 7,6%

 

Zwischenauswertung

  • Die Studie wurde von den beteiligten ÄrztInnen und der Leitung der Poliklinik mit grossem Interesse aufgenommen und seitdem sehr sorgfältig realisiert.
  • Eine salutogenetische Konsultation fordert eine Gesprächszeit von 20 – 30 Minuten.
  • Trotz dieses Zeitaufwandes wird das Vorgehen angesichts guter Resonanz und erhoffter Nützlichkeit für geeignet gehalten, in das ständige Leistungsspektrum der Familienärzte eingegliedert zu werden.
  • Auch die passiven Teilnehmer haben die Studie sehr gut angenommen und halten sie für nützlich. Von den 1.500 Beteiligten schieden im ersten Jahr vier durch Todesfall oder Umzug aus. Teilnehmer der Kontrollgruppe protestierten gegen ihren Ausschluss von salutogenetischen Konsultationen.
  • Die beteiligten ÄrztInnen haben wertvolle Vorschläge zur Verbesserung des Fragespiegels geliefert.
  • Körpergewicht, BMI, Puls, RR haben sich im ersten Jahr der Studie nicht signifikant verändert, zeigen allerdings nur in der Studiengruppe für alle genannten Parameter eine leicht sinkende Tendenz.
  • Signifikant sind in der Studiengruppe der Rückgang der Anzahl der Raucher um 11,5% (von 252 auf 223 Personen, p<0.0001) und der Zahl der Alkohol trinkenden Personen um 46% (von 56 auf 30 Personen, p<0.05).

 

Schlussfolgerungen:

  • Die Studie wird planmässig und ohne nennenswerte Änderungen fortgeführt.
  • Der Leitung der Poliklinik wird empfohlen, den Studienteilnehmern, ggfs. auch der Kontrollgruppe, nach Abschluss des zweijährigen Untersuchungszeitraums  weiterhin bzw. künftig salutogenetische Konsultationen anzubieten und deren Langzeitwirkung zu verfolgen.
  • Es wird empfohlen, salutogenetische Betreuung weiteren Bevölkerungsgruppen anzubieten, zunächst (a) Patienten derselben Poliklinik (bisher sind nur Gesunde einbezogen), (b) Senioren, (c) Schwangeren und Müttern mit Kindern im ersten Lebensjahr. In jedem Fall müssen die Orientierungen für die Gesprächsführung der Spezifik der dieser Bevölkerungsgruppen angepasst werden.
  • Zum Zeitpunkt des Abschlusses dieser Kurzinformation ist die Auswertung der zur Zeit vorliegenden Daten noch nicht abgeschlossen. Information und Schlussfolgerungen werden vervollständigt, sobald die ausstehenden Ergebnisse des ersten Untersuchungsjahres vorliegen.

Bitte beachtet auch den Beitrag “Dieses merkwürdige kubanische Bethlehem” aus “In Kirche und Welt Internationale Monatszeitschrift geleitet von Giulio Andreotti” http://www.30giorni.it/articoli_id_17620_l5.htm

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