Kuba und Henkel

Leserbrief von Edgar Göll zu
Leserbrief zu
„Networld – Geschwindigkeit ist nicht alles“ von Knut Henkel, Havanna
Jungle World Nr. 26, 27. Juni 2013
Seit 20 Jahren lese ich die deutschsprachigen Medien in Bezug auf Kuba sehr genau und habe im Zuge dessen leider schon unzählige schwache bis idiotische Texte gelesen. Umso überraschter bin ich, dass nun auch in der linken Zeitung Jungle World ein Text angeboten wird, der mindestens als schwach einzuschätzen ist – weil unpräzise, negativ einseitig, fehlerhaft.
Wie unpräzise, ja sogar falsch Henkel arbeitet, sei an einem Beispiel dokumentiert. So bezeichnet er einen der sogenannten „Cuban 5“ als „kubanischen Spion“. Spione jedoch – das zeigt jedes Lexikon, arbeiten gegen Staaten und suchen nach Staatsgeheimnissen (inkl. Militär). Die Cuban 5 jedoch sammelten Informationen exilkubanischer Organisationen, die wiederholt gegen Kuba kriminelle Aktivitäten bis hin zu Bombenanschlägen, Luftraumverletzung verübt hatten. Entweder weiß es Henkel nicht besser, oder es schert ihn nicht, oder er macht bei Kuba eine Ausnahme von der journalistischen Sorgfaltspflicht. All dies ist bedenklich und intolerabel.
Wie einseitig und ideologisch-verzerrend Henkel arbeitet, sei wiederum an einem Beispiel dokumentiert. So zitiert er für seine extrem negative Einschätzung der kubanischen Internetpolitik „internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Freedom House“.
Nun möchte ich mich nicht dazu äußern, wie eine „linke Zeitung“ dazu kommt, sich auf solche Quellen beziehen zu wollen, aber nochmal kurz zum mitdenken: der frühere Chef und heutige Ehrenpräsident der RoG Menard ist für seine engen freundschaftlichen Kontakte zu rechtsextremen und terroristischen Exilkubanern in Florida bekannt – und für deren Unterstützung. Und kürzlich kündigte er seine Kandidatur für die rechtsextreme Partei Le Pens in Frankfreich an. Na, und Freedom House ist ein einflussreicher rechtskonservativer, antikommunistischer Thinktank in Washington, D.C., der weiterhin Kalten Krieg betreibt gegen alles Linke überall auf diesem Planeten.
Kurzum: das Schreiben von Henkel über, bzw. gegen Kuba ist in diesem Artikel nicht nur einseitig negativ und verzerrend, sondern auch journalistisch mangelhaft und fehlerhaft. Ich halte das für eine Zumutung und wundere mich, dass derartige Texte die Redaktion passieren und der LeserInnenschaft vorgesetzt werden.
Aufgrund der Aktualität noch ein P.S.: Henkel macht sich Gedanken, weshalb in den neuen Surf-Containern Beschäftigte der kubanischen Telefongesellschaft anwesend sind – als guter Journalist vor Ort hätte er doch die Mitarbeiterin fragen können! Doch offensichtlich spricht er nur mit Dissidenten, oder aber lässt sich das alles von ihnen erzählen… Das lässt wohl die Heldenbrust schwellen. Da verblasst doch der NSA.

Schöne Grüße
Dr. Edgar Göll

(Soziologe, wissenschaftlicher Zukunftsforscher, Stellv. Vors. des Netzwerk Cuba, Freundschaftsgesellschaft Berlin – Kuba)
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Man muss an das Beste im Menschen glauben.
Man muss dem Besseren Gelegenheit geben, sich zu entfalten.
José Martí (kubanischer Nationalheld, Intellektueller und Revolutionär, 1853-1895)

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