Kolumbiens Campesinos fordern Schutz

Jüngste Runde der Friedensgespräche in Havanna erbrachte »Fortschritte«, aber keine Ergebnisse

Konkrete Ergebnisse wurden auch nach dem Ende der siebten Runde der Friedensverhandlungen zwischen kolumbianischer Regierung und FARC-Guerilla nicht bekannt. Bauernorganisationen fordern die Regierung unterdessen auf, den Großgrundbesitz einzuschränken und die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu schützen.
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Bauernlager in der Provinz Cauca: Häufig gerieten die Campesinos ins Kreuzfeuer der Parteien.
Foto: AFP/Luis Robayo

Von dort, wo der letzte Versuch scheiterte, sollte ein neuer Impuls für die Friedensverhandlungen in Havanna ausgehen. In der kolumbianischen Kleinstadt San Vicente del Caguán, die um die Jahrtausendwende Schauplatz der vorangegangenen Friedensgespräche zwischen FARC und Regierung war, kamen in der vergangenen Woche mehr als 3000 Vertreter kleinbäuerlicher Organisationen zu einem nationalen Treffen zusammen. Sie forderten die Verhandlungspartner auf, den sogenannten bäuerlichen Schutzzonen (Zonas de Reserva Campesina) mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

»Die bäuerlichen Schutzzonen sind das Werkzeug, um die in Kolumbien überfällige Agrarreform zu verwirklichen«, sagte César Jérez, Sprecher des Nationalen Verbandes der bäuerlichen Schutzzonen (ANZORC) im nd-Gespräch. »Den rechtlichen Rahmen dafür gibt es schon, nur fehlt bisher der politische Wille, ihn auszufüllen.«

Die Idee stammt aus den 80er Jahren, als Rechtsfigur existiert sie seit fast 20 Jahren, das Problem, als dessen Lösung sie ihren Anhängern gilt, besteht in Kolumbien indes schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts:

Einst waren Bauern vor der Ausbreitung des Großgrundbesitzes insbesondere in die bis dahin unbewohnten Flachlandregionen im Osten Kolumbiens geflohen und hatten sie besiedelt. Sehr bald aber folgten ihnen Vieh- und Plantagenwirtschaft, die wiederum eine Konzentration des Landbesitzes bewirkten, wodurch die Kleinbauern erneut vertrieben wurden. »Durch die Schutzzonen soll verhindert werden, dass sich das Kapital immer wieder die Ländereien aneignet, die von den Kleinbauern erst erschlossen wurden«, erklärte der Soziologe Alfredo Molano, der als geistiger Vater dieser Idee gilt.

Gegenwärtig existieren bereits sechs solcher Schutzzonen, weitere sechs Anträge werden derzeit von der zuständigen Behörde bearbeitet. In einer Abschlusserklärung des Treffens in San Vicente forderte die ANZORC die Einrichtung weiterer 50 Zonen mit einer Gesamtfläche von mehr als neun Millionen Hektar. Während die FARC-Guerilla, die den bäuerlichen Siedlern ideologisch ohnehin nahesteht, den Vorschlag begrüßte, äußerten Regierungsmitglieder und Vertreter verschiedener Interessenverbände offene ihre Skepsis. Insbesondere die Forderung der FARC nach einer größeren Verwaltungsautonomie für die Schutzzonen stieß auf Ablehnung.

Kolumbiens Landwirtschaftsminister Juan Camilo Restrepo sagte, seine Regierung unterstütze die Rechtsfigur zwar, aber eine Parzellierung des Landes in »kleine Republiken« könne man nicht dulden. Der Präsident des Viehzüchterverbandes José Felix Lafaurie stimmte in die Kritik ein. Er argwöhnte, dass die FARC in diesen »ein rückständiges Wirtschaftsmodell etablieren und die Bauern politisch indoktrinieren« wolle. Nicht von ungefähr lägen die bäuerlichen Schutzzonen genau in den Gebieten, in denen besonders viel Koka angebaut werde und die FARC militärisch am stärksten sei. Auf diese Anmerkung reagierte ANZORC-Sprecher César Jérez lächelnd: »Das ist doch kein Wunder, denn genau dort zeigt der Staat seit Jahrzehnten keine Präsenz. Die bäuerlichen Schutzzonen richten sich nicht gegen den Staat. Im Gegenteil: Wir sind dafür dass er dort endlich Präsenz zeigt«, sagte er im Gespräch mit »nd«.

Zwei Tage zuvor war in Havanna die siebte Runde der Friedensverhandlungen zu Ende gegangen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten beide Seiten, man habe Fortschritte in wichtigen Punkten erzielt. Laut Humberto de la Calle, Sprecher der Regierungsdelegation, könnte das Thema ländliche Entwicklung bereits in der nächsten Verhandlungsrunde im April abgeschlossen werden. Über konkrete Ergebnisse schwiegen sich beide Seiten allerdings aus.

Immerhin gibt es Zeichen dafür, dass die Verhandlungen voranschreiten: Die Vereinten Nationen und die Nationaluniversität Kolumbiens wurden gebeten, mit den Vorbereitungen für ein Forum zu beginnen, bei dem die Vorschläge der Zivilgesellschaft zum Verhandlungspunkt »politische Partizipation der FARC« zusammengetragen werden sollen.

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