Cuba nach Chávez

von ASC/VSC Schweitz – März 2013 Bericht aus Cuba

Wenige Tage danach wurden kurz nach vier Uhr nachmittags alle Medien gleichgeschaltet, und von da an beherrschte (neben dem Baseballweltcup) nur ein Thema die Gespräche – Hugo Chávez hatte den Kampf gegen den Krebs schliesslich verloren.

Die Betroffenheit der Leute geht weit über die offizielle Staatstrauer und die Reise von Raúl Castro nach Venezuela hinaus. Die Leute nahmen Chávez als einen der ihren wahr, einer der die Dinge beim Namen nannte, der solidarisch und sensibel war. Die Leute litten mit ihren venezolanischen FreundInnen, bangten um ihre Angehörigen und Bekannten, die dort im Einsatz sind. Hunderttausende, wenn nicht Millionen (und davon gibt es in Cuba nur 11) defilierten am internationalen Frauentag in Städten an Fotos von Chávez vorbei, traurig, ernst, weinend … an vielen Orten standen die Leute auch nach den vorgesehenen 12 Stunden noch Schlange. An diesem für Habana kalten Abend standen wir über eine Stunde in einer Reihe mit Leuten, die aus einem Quartier kamen, aus einer Fabrik, von der Arbeit, viele Jugendliche, Eltern mit Kindern und zogen an den beleuchteten Portraits von Che und Camilo und dem Fotos von Hugo Chavez vorbei.

Venezuela ist der wichtigste Handelspartner Cubas. Diese Handelsbeziehungen gehen weit über die vereinfachte und tendenziöse „Milliardenhilfe von Venezuela für Cuba“ hinaus, die nicht nur von bürgerlichen Medien stetig wiederholt wird. Cuba hatte und hat etwas, was Chávez für seine Sozialprogramme dringend benötigt/e, SpezialistInnen in Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft, Sozialarbeit, Sport, Kultur, etc. die sich – im Gegensatz zu vielen lokalen Kräften – nicht scheuten, in abgelegenen Gebieten und Slums zu arbeiten. Cubanische Arbeitskraft ist ein wesentlicher Teil der imposanten sozialen Errungenschaften Venezuelas in den letzten Jahren (einige nennen die Umverteilung von Öleinkommen „Populismus“) und dies wurde mit Öl abgegolten. Eine neue Form von Süd-Süd-Kooperation die auf den jeweiligen Stärken der beiden Länder und stabilen Preisen statt spekulativen Blasen beruht.

Venezuela ist bei Weitem nicht das einzige Land, an das Cuba Dienstleistungen verkauft (andere sind z.B. Südafrika, Angola, Algerien, aber auch Katar und Portugal), aber bei Weitem der wichtigste „Markt“. In diesem Sinn ist die Stabilität in Venezuela kurz- und mittelfristig für Cuba vital. Das politische Testament von Chávez und die Kraft seines Vermächtnisses in die Hände von Nicolas Maduro und einer geeinten Partei gibt dem Land ein paar Jahre Zeit, um die seit jeher angestrebte und bereits begonnene Diversifizierung seiner Handelspartner und die internen Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft – ohne die sozialen Errungenschaften zu verlieren – weiter voranzutreiben.

Somit ist der Tod von Hugo Chávez für Cuba zwar ein Moment der tiefen Trauer, aber keine unmittelbare Bedrohung.

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