FG BRD Kuba Gruppe Essen Leserbrief / Stellungnahme zur Berichterstattung »Reisefreiheit für Kubaner« u.a. in NRZ, 17.10.2012

Essen, d. 17.10.2012

Stellungnahme zur Berichterstattung »Reisefreiheit für Kubaner« und »Bringt die Reisefreiheit Kuba ins Wanken« sowie zum Kommentar »Ein Exodus droht« von Dirk Hautkapp in NRZ, 17.10.2012

In Cuba wird Bürokratie abgebaut. Das freut zu hören, vor allem da wir Bürger eines von Bürokratie überbordenden Staates wie der Bundesrepublik Deutschland sind.

Doch was soll nun diese mediale Welle, wie sie vor allem im Kommentar des USA-Korrespondenten der NRZ, Dirk Hautkapp, zum Ausdruck kommt und in dem es nur so von Halb- und Unwahrheiten wimmelt?

Emigration ist seit jeher ein Thema in allen Ländern der 3. Welt und sie wird dort erschwert nicht zuletzt wegen des durch die Industriestaaten praktizierten »brain drain«, also der aggressiven Abwerbung von qualifizierten Fachkräften.

Die Behauptung eines »abgeschotteten Volkes« ist eine Frechheit und schlicht unwahr. Wir selbst haben (als Verein und als Einzelpersonen) in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Besucherinnen und Besucher aus Cuba zu Gast gehabt, von einfachen Bürgerinnen und Bürgern bis zu Schriftstellern. Die bürokratischen Hürden, die dabei für Besucher aus Nicht-EU-Ländern seitens der EU und der BRD zu überwinden sind, sind enorm!

Wir erinnern daran, dass zwei Ehefrauen der seit 14 Jahren widerrechtlich in den USA inhaftierten Cubanern, die weltweit als MIAMI 5 bekannt wurde, seit über einem Jahrzehnt (!) das Einreise- und Besuchsrecht verweigert wird. Wo bleibt hier die Empörung und der Aufschrei der NRZ nach Reisefreiheit?

Die Mär vom »abgeschotteten Cuba« mag Herr Hautkapp in den Bars der von ihm ins Feld geführten rechtsextremen Anticubaner in Miami aufgeschnappt zu haben. Mir der Realität hat dies allerdings wenig zu tun. Millionen Touristen jährlich können sich davon überzeugen, wie hoch der Wissensstand der Cubaner über die globalen Vorgänge ist. Nicht ohne Grund wird das dortige Bildungswesen, das jenes der USA weit überflügelt, immer wieder von der UNO lobend hervorgehoben.

Die Zukunft, die die USA dem cubanischen Volk anbietet, bestünde dagegen in einer Rückkehr zu den vorrevolutionären Verhältnissen vor 1959, als Cuba ein exterritoriales US-Bordell war, so wie heute das widerrechtlich besetzte cubanische Territorium von Guantánamo als exterritoriales Konzentrationslager missbraucht wird. Der Mehrheit des cubanischen Volkes ist dies absolut bewusst. Weshalb der von Herrn Hautkapp prognostizierte (herbeigewünschte?) Exodus, also einer nach Brockhaus »Abwanderung der Gesamtheit eines Volkes«, wieder einmal ausbleiben wird.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen

i.A. Heinz-W. Hammer

FG BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen, www.cubafreundschaft.de,

c/o Heinz-W. Hammer, Holtener Straße 2, 45143 Essen, Tel. & Fax: 0201 – 622 630

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»Vor allem bewahrt Euch stets die Fähigkeit, jede Ungerechtigkeit, die irgendwo auf der Welt begangen wird, aufs tiefste zu empfinden.

Das ist der schönste Charakterzug eines Revolutionärs.«

Che Guevara im Abschiedsbrief an seine Kinder, 1966

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