Leserbrief Heinz W. Hammer: Cuba-Artikel NRZ-/WAZ-Reisejournal

Der Brief erschien auch unter: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17993

Essen, d. 08.07.2012

Betreff: »Haste mal ’nen CUC?«, von Alexander Richter in: NRZ/WAZ-Reisejournal vom 07.07.2012

Der Artikel ist aus zweierlei Gründen ein Ärgernis.

Erstens handelt es sich um die Zweitverwertung eines Beitrages, der vom selben Autor nahezu identisch bereits unter dem selben Titel am 11./12.02.2012 in der Tagezeitung »Neues Deutschland« veröffentlicht wurde – sogar mit dem selben Aufmacherphoto illustriert (http://www.neues-deutschland.de/artikel/218110.haste-mal-nen-cuc.html?sstr=Cuba).


Zweitens ist er inhaltlich undifferenziert, pauschalisierend und den cubanischen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber herablassend. »Der« Cubaner bzw. »die« Cubanerin werden als Abzocker und Bettler denunziert. Jede Dienstleistung auf Cuba sollte wohl in den Augen des Autors kostenlos sein? Und in der Bundesrepublik? Sind hier Handel und Dienstleistungen kostenlos? Wer käme auf die Idee, für eine Schuhreparatur oder den Einkauf eines Blumestraußes den betreffenden Dienstleister verächtlich zu machen in dem Stil »Und für alles wollen die auch noch ’nen Euro haben«?

Ökonomische Hintergründe sind für den Autor offensichtlich kein Thema. Der CUC bspw. hat als vorübergehende konvertible Währung den US-Dollar abgelöst, der wiederum 1993 auf der Insel legalisiert wurde, als Cuba durch die Auflösung von 85% seiner Außenhandelspartner (DDR, SU usw.) gegen die plötzliche doppelte Blockade ums ökonomische Überleben und damit auch um den Zugang zu konvertibler Währung kämpfen musste.

Die en passent als »leidiges US-Embargo« verharmloste, seit 52 Jahren anhaltende totale Handels-, Finanz- und Wirtschaftsblockade durch die USA und ihre Verbündeten, die seit 20 Jahren von der UN-Vollversammlung als völkerrechtswidriges Verbrechen fast einstimmig verurteilt wird, ist sicherlich nicht für alle Binnenprobleme Cubas verantwortlich, aber doch für einen sehr großen Prozentsatz.

Die Liste der journalistischen Fehlleistungen ließe sich fortsetzen. Doch in einem einzigen Punkt ist dem Autor recht zu geben, wenn er schreibt: »Kuba bleibt eine Reise wert (..)«. Denn vor Ort kann sich jede/r Reisende von den tatsächlichen Zuständen Cubas ein eigenes Bild machen und somit wesentlich klüger zurückkommen als er oder sie nach dem Lesen eines solch tendenziösen Artikel ist.

Heinz-W. Hammer,

Vors. Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen

Heinz-W. Hammer, Holtener Straße 2, 45143 Essen, Tel. & Fax: 0201 – 622 630

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