»Papst fordert offene Gesellschaft in Kuba«, von Klaus Ehringfeld in: NRZ vom 28.03.2012

Essen, d. 28.03.2012

Betreff: »Papst fordert offene Gesellschaft in Kuba«, von Klaus Ehringfeld in: NRZ vom 28.03.2012

So, so, Herr Ratzinger fordert also eine »offene Gesellschaft in Kuba« und dekretiert »die Realität zeigt, dass der Marxismus nicht taugt«. Es mutet geradezu kafkaesk an, wenn dies ausgerechnet von dem feudalistischen Alleinherrscher eines Kleinstaats und einer religiösen Organisation mit, freundlich ausgedrückt, höchst zweifelhaftem Ruf kommt.

Ausdrücklich, so schreibt die NRZ, habe er diejenigen erwähnt, »die ihrer Freiheit beraubt sind, von ihren Angehörigen getrennt oder schwierige Momente durchleben.«

Wohl wahr, dass die auf widerrechtlich besetzten cubanischen Territorium im US-Folterlager von Guantánamo im US-Folterlager Eingepferchten und Gedemütigten seit 10 Jahren »schwierige Momente durchleben«.

Wohl wahr auch, dass die seit 1998 ungerechtfertigt in US-Hochsicherheitsgefängnissen inhaftierten fünf Cubaner René González, Ramón Labañino, Antonio Guerrero, Fernando González und Gerardo Hernández, deren einziges »Vergehen« im (unbewaffneten!) Schutz ihrer Heimat vor Terroranschlägen bestand, willkürlich »ihrer Freiheit beraubt, von ihren Angehörigen getrennt sind«.

Doch zu diesem himmelschreienden Unrecht von Ratzinger kein Wort des Mitgefühls geschweige denn Kritik an den Verursachern.

In dem Drittweltland Cuba dagegen werden, trotz über 50jähriger umfassender Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade durch das mächtigste Land der Erde, die sozialen Menschenrechte wie in keinem anderen Land der Hemisphere durchgesetzt. Damit ist das sozialistische Cuba lange nicht ein Paradies, aber eben auch nicht die Hölle, als die es seine Gegner immer wieder darzustellen versuchen. Es gibt also für den Papst hier nichts zu exorzieren.

Nebenbei: Wenn man eine freundliche Einladung erhält, dann beschimpft man nicht den Lebensstil seines Gastgebers. Dies gebietet schon die gute Erziehung. Aber diese spielt wohl bei einem langjährigen Chef-Inquisitor sowieso keine Rolle mehr.

Heinz-W. Hammer

Heinz-W. Hammer, Holtener Straße 2, 45143 Essen, Tel. & Fax: 0201 – 622 630

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