Leserbrief: »Nicht päpstlicher als der Papst – Kuba nach dem Kalten Krieg«

Heinz W. Hammer:

Betreff: »Nicht päpstlicher als der Papst – Kuba nach dem Kalten Krieg«, Kommentar von Rüdiger Oppers in: NRZ, 29.03.2012

(online: http://www.derwesten.de/incoming/nicht-paepstlicher-als-der-papst-id6506660.html)

Herr Oppers hat also nun auch erkannt, dass die seit über 50 Jahren angewandte umfassende Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade der USA gegen Cuba, die er euphemistisch »Handelsembargo« nennt und an der sich die Bundesrepublik aktiv beteiligt, »Unsinn« und »der Kalte Krieg vorbei« sei. Zwar kritisiert er nicht das von ihm selbst benannte Ziel der Blockade, nämlich die cubanische Bevölkerung »wirtschaftlich auszuhungern«, aber man kann ja nicht alles auf einmal erwarten. Vielleicht gelangt er zu dieser Erkenntnis schon in den nächsten 50 Jahren.

Doch viel Hoffnung hege ich da kaum, geriert sich der NRZ-Chefredakteur in seinem Beitrag doch ansonsten wie ein religiöser Eiferer aus dem Mittelalter, der kübelweise aggressive Vorurteile über das sozialistische Cuba ausgießt. Da glänzt selbst der »L’Osservatore Romano« als amtliches Vatikan-Blatt mit mehr Sachlichkeit und journalistischer Distanz.
Den Tiefpunkt seiner Suade erreicht Herr O. bereits im 2. Satz. Zum Treffen des von ihm bewunderten Papstes mit dem verhassten cubanischen Revolutionsführer Fidel Castro schreibt er: »Der Pontifex Maximus trifft mit der Resterampe des klassischen Kommunismus zusammen.«

Man braucht Herrn Castro nicht zu mögen, ja man kann ihm, wie Herr Oppers, auch feindlich gesinnt sein. Ihn jedoch als »Resterampe« zu titulieren, ist obszön.

Als Mann des Wortes sollte der NRZ-Chefredakteur wissen, in welch gefährliche geistige Nähe er sich mit dieser widerlichen Metapher begibt. Literaturtipp: Victor Klemperer, »LTI – Lingua Tertii Imperii – Sprache des Dritten Reiches«

Heinz-W. Hammer, Essen

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